Blog EHRLICH-KEITEN
- Karin Ehrlich
- 11. Juli
- 5 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 14. Juli
Was war es dann?

Manchmal frage ich mich, wie unsere Geschichte verlaufen wäre, wenn wir beide dieselbe Richtung eingeschlagen hätten. Nicht nur mit Worten, sondern mit Taten. Nicht nur mit Träumen, sondern mit dem Mut, sie gemeinsam zu leben.
Vielleicht hätte alles anders ausgesehen, wenn wir an einem anderen Punkt in unserem Leben gewesen wären. Wenn das Leben uns zu einer anderen Zeit zusammengeführt hätte. Oder wenn wir gelernt hätten, die Welt – und einander – mit anderen Augen zu sehen.
Was wäre gewesen, wenn wir die Bedürfnisse des anderen noch besser hätten erkennen können?
Wenn hinter meinen Worten nicht das angekommen wäre, was sie vielleicht manchmal ausgelöst haben, sondern das, was ich eigentlich ausdrücken wollte: der Wunsch, verstanden zu werden. Der Wunsch, aus einem Du und Ich ein Wir entstehen zu lassen. Vielleicht hätten wir beide früher erkannt, wie oft wir versucht haben, Brücken zueinander zu bauen, während die Distanz zwischen uns dennoch größer wurde.
Nicht nur in dem, was ausgesprochen wurde. Sondern auch in den kleinen Dingen zwischen den Zeilen. In Momenten, in denen wir uns zurückgezogen haben, weil wir nicht wussten, wie wir einander noch erreichen können. In Augenblicken, in denen wir hofften, der andere würde erkennen, was uns fehlt, ohne dass wir immer wieder Worte dafür finden müssen.
Was wäre gewesen, wenn wir beide mehr Sicherheit darin gefunden hätten, Worte und Taten miteinander zu verbinden?
Wenn aus dem, was wir einander versprochen haben, immer wieder Vertrauen hätte wachsen können. Vielleicht hätten wir uns dann beide sicherer gefühlt. Vielleicht wäre manches leichter geworden.
Was wäre gewesen, wenn wir beide einen besseren Weg gefunden hätten, die Grenzen des anderen zu verstehen und zu achten?
Grenzen entstehen nicht, um Menschen fernzuhalten. Sie entstehen, damit sich beide sicher fühlen können.
Vielleicht hätten wir einander näherkommen können, wenn dieses Gefühl geblieben wäre. Vielleicht wären manche Dinge gar keine Kompromisse gewesen, sondern Ausdruck gegenseitigen Verständnisses. Vielleicht hätte ich mich nie zwischen meinen Bedürfnissen und unserer Beziehung entscheiden müssen. Vielleicht hätten wir Lösungen gefunden, die sich für uns beide richtig angefühlt hätten.
Was wäre gewesen, wenn wir einander wirklich zugehört hätten?
Wenn es nicht darum gegangen wäre, Recht zu behalten, sondern einander zu verstehen. Wenn wir in schwierigen Momenten nicht gegeneinander gekämpft hätten, sondern gemeinsam gegen das Problem. Vielleicht wären aus Diskussionen Lösungen geworden. Und aus Enttäuschungen neue Chancen.
Vielleicht wäre auch manches anders gewesen, wenn wir beide noch bewusster aufeinander zugegangen wären. Wenn wir nicht nur darauf geschaut hätten, was uns selbst fehlt, sondern auch darauf, was der andere gerade braucht. Ich hätte mir gewünscht, deine Welt noch besser zu verstehen – deine Ängste, deine Zweifel, das, was du vielleicht nie ausgesprochen hast. Und genauso wünsche ich mir rückblickend, dass auch meine Welt ein Stück verständlicher für dich gewesen wäre.
Denn ein Partner ist nicht einfach jemand, der denselben Weg geht, sondern jemand, dessen Hand man hält, auch wenn der Weg manchmal steinig wird. Vielleicht hätten wir gelernt, dass echte Verbundenheit nicht darin besteht, den anderen zu verändern, sondern sich immer wieder bewusst füreinander zu entscheiden – mit Offenheit, Geduld und dem ehrlichen Wunsch, einander auch dann noch zu begegnen, wenn es schwer wird.
Und was wäre gewesen, wenn wir mehr gemeinsame Träume gehabt hätten?
Mehr gemeinsame Vorstellungen davon, wohin wir wollen. Mehr Überschneidungen zwischen deinem Morgen und meinem. Vielleicht hätten wir dann nicht ständig versucht, Brücken zwischen zwei unterschiedlichen Welten zu bauen.
Ich denke an all die Pläne, die wir geschmiedet haben. An die Zukunft, die wir uns vorgestellt haben. An die Orte, die wir sehen wollten. An die Momente, die wir erleben wollten. An Erinnerungen, die nie geschrieben wurden.
"Nähe entsteht nicht, wenn beide beweisen wollen, dass sie niemanden brauchen." (mk.jenson.poet/Instagram)
Ich frage mich oft, ob wir einander wirklich verstanden haben.
Ob du gesehen hast, wer ich hinter meinen Worten war. Ob du verstanden hast, warum manche Dinge mich so tief getroffen haben. Ob du erkannt hast, dass vieles von dem, was ich gesagt habe, eigentlich der Versuch war, dir näherzukommen – und nicht, dich von mir wegzustoßen.
Ich frage mich auch, ob uns beiden immer bewusst war, wie sehr wir uns manchmal – oft unabsichtlich – verletzt haben.
Nicht aus Bosheit. Sondern durch die kleinen Dinge. Durch Schweigen. Durch Ausweichen. Durch Momente, in denen wir uns einsam gefühlt haben, obwohl wir nebeneinander standen.
Vielleicht hätten wir gelernt, dass Liebe nicht bedeutet, immer einer Meinung zu sein. Sondern trotz aller Unterschiede einen gemeinsamen Weg zu finden.
Doch statt unsere Zukunft gemeinsam zu gestalten, haben wir uns irgendwann in Missverständnissen, Verletzungen und unerfüllten Erwartungen verloren.
Die eigentliche Distanz entsteht vielleicht dort, wo Bedürfnisse ungesehen bleiben und Grenzen nicht den Raum bekommen, den sie brauchen. Wo Verständnis fehlt. Wo zwei Menschen sich lieben, aber nicht dieselbe Sprache für Nähe sprechen.
Vielleicht war es genau das.
Und noch mehr frage ich mich, ob du jemals verstanden hast, warum ich traurig war.
Ob du wusstest, was in mir vorging. Wie oft ich versucht habe, stark zu sein, während ich innerlich gekämpft habe. Wie viele Worte unausgesprochen geblieben sind, weil ich Angst hatte, wieder nicht verstanden zu werden.
Ob du gesehen hast, wie viel ich mit mir selbst ausgemacht habe. Wie oft ich geschwiegen habe, obwohl ich mir gewünscht hätte, dass du fragst. Wie oft ich gehofft habe, dass du erkennst, was hinter meinem Lächeln verborgen war.
Und trotzdem wünsche ich mir manchmal, dass du weißt, wie viel mir unsere gemeinsame Zeit bedeutet hat. Dass hinter meiner Traurigkeit nie Vorwürfe standen, sondern Gefühle, für die ich keine Worte gefunden habe.
Die Frage nach dem „Was wäre gewesen?“ wird wahrscheinlich nie beantwortet werden.
Und vielleicht muss sie das auch nicht.
Denn manchmal geht es nicht darum, eine andere Vergangenheit zu finden. Manchmal geht es darum anzuerkennen, dass beide ihr Bestes gegeben haben – mit dem, was sie damals konnten. Und zu akzeptieren, dass manche Geschichten nicht an ihrem Anfang scheitern, sondern daran, dass zwei Menschen irgendwann aufhören, dieselbe Zukunft zu sehen.
Ich frage mich manchmal, was du gerade machst.
Ob du glücklich bist. Ob dein Leben so verläuft, wie du es dir gewünscht hast. Ob du hin und wieder noch an die Zeit denkst, in der wir uns nah waren.
Ich frage mich auch, ob du manchmal noch an mich denkst.
Nicht jeden Tag. Nicht ständig. Sondern vielleicht in einem flüchtigen Moment. Wenn du an einem Ort vorbeikommst, den wir gemeinsam besucht haben. Wenn ein Lied läuft, das uns verbunden hat. Oder wenn plötzlich eine Erinnerung auftaucht, die längst vergessen schien.
Nicht, weil ich erwarte, dass du mich vermisst. Sondern weil ich wissen möchte, ob das, was zwischen uns war, auch in deinen Erinnerungen einen Platz gefunden hat. Ob mein Name manchmal noch durch deine Gedanken zieht – so wie deiner manchmal noch durch meine.
Ob du morgens noch immer als Erstes nach deinem Handy greifst. Ob du noch dieselbe Musik hörst wie damals.
Vielleicht waren wir nie zu weit voneinander entfernt. Vielleicht waren wir nur nie wirklich am selben Ort.
Und dennoch bleibt dieser Gedanke:
Was hätten wir alles schaffen können, wenn wir beide bereit gewesen wären, denselben Weg zu gehen?
Heute weiß ich nicht mehr, ob wir diese Reise gemeinsam hätten gehen können.
Und wenn das alles gar nicht echt war …
Was war es dann?



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